90 Millionen Euro Verlust
Thalheim - Der Solarkonzern Q-Cells wird auch in diesem Geschäftsjahr wie bereits 2011 tiefrote Zahlen schreiben. Für 2012 geht der Vorstand bei einem Umsatz von 865 Millionen Euro von einem operativen Verlust (Ebit) von 90 Millionen Euro aus. Erst 2014 werde wieder mit einem operativen Gewinn gerechnet, der dann bei acht Millionen Euro liegen solle.
Zusätzlich bringt ein Gerichtsentscheid Q-Cells in extreme finanzieller Not. Der Konzern hat einen Großteil seines Grundkapitals aufgezehrt, laut der Nachrichtenagentur Reuters mehr als die Hälfte, laut der Nachrichtenagentur dpa das komplette Grundkapital. Bis Ende Februar muss Q-Cells deshalb die Gläubiger der 200 Millionen Euro schweren Anleihe davon überzeugen,auf die Begleichung ihrer Forderungen zu warten und teilweise auf Geld zu verzichten. es wird also zu einer außerordentlichen Hauptversammlung kommen, bei der die Aktionäre einladen, bei der es dann um die Existenz der Gesellschaft gehen könnte.
Aktie fällt und fällt...
Zur Restrukturierung seiner Finanzverbindlichkeiten strebt Q-Cells ein zweistufiges Verfahren an. Danach sollen die Inhaber der Ende Februar fälligen Wandelschuldverschreibung, die das Unternehmen nicht stunden kann, eine zeitlich gestaffelte Teilrückzahlung erhalten. Im zweiten Schritt sollen die 2014 und 2015 fälligen Wandelschuldverschreibungen mittels eines Schulden- und Kapitalschnitts in Eigenkapital überführt werden.
Die Aktie von Q-Cells ging daraufhin auf Talfahrt - sie fielen am Dienstag zwischenzeitlich um rund 15 Prozent auf 0,43 Euro. Heute um ).45 Uhr notierte der Kurs bei 0,39 Euro - ein weiterer deutlicher Wertverlust. Damit ist das gesamte Unternehmen mit 2 200 Mitarbeitern am Markt nur noch knapp 80 Millionen Euro wert.
Umsatzziele sehr ehrgeizig
Die Pläne zu einem Kapital- und Schuldenschnitt bei Anleihen verringerten zwar die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz, sagte ein Analyst. Er halte die Umsatzziele des Unternehmens allerdings für sehr ehrgeizig. Außerdem sehe das Management offenbar weniger Raum für Einsparung als er erwartet habe. Wegen der weltweit massiven Überkapazitäten und des daraus folgenden Preisverfalls für Solarmodule, die Sonnenlicht in Strom umwandeln, stehen viele Solarfirmen stark unter Druck. Verluste sind an der Tagesordnung. Zuletzt mussten in Deutschland die Pionier-Unternehmen Solon und Solar Millennium eine Insolvenz anmelden.
Durch die Probleme bei Q-Cells rückt auch Sachsen-Anhalts bekanntester Industriepark in den Fokus - "Solar Valley" bei Thalheim (Landkreis Anhalt-Bitterfeld.) Dort arbeiten mittlerweile gut 3500 Frauen und Männer. Auf knapp zwei Kilometer Länge entlang der Gewerbestraße "Sonnenallee" reiht sich ein Bürokomplex an den nächsten. Hier sitzen viele Unternehmen, die in irgendeiner Form mit Q-Cells verwoben sind. Zum Beispiel: Calyxo oder Solibro, Und im Moment investiert Vetro Solar gut 30 Millionen Euro in den Bau eines neuen Glaswerkes im Industriepark.
Ob das "Solar Valley" ohne Q-Cells existieren kann, ist höchst ungewiss Noch dr Industriepark zwar Sachsen-Anhalts erste Adresse der Solarindustrie. Doch der knallharte Konkurrenzkampf, der mit einem weltweiten Preisverfall einher geht, fordert von der Branche und den Politikern ein schnelles Umdenken, sonst kann es kritisch werden.
Übrigens: Das Cluster "Solar Valley Mitteldeutschland" wird gemeinsam mit Sachsen und Thüringen seit 2008 aus knapp 30 Unternehmen gebildet. Derzeit gibt es gut 11000 Beschäftigte in der mitteldeutschen Photovoltaik-Industrie - davon noch mehr als 4000 in Sachsen-Anhalt.
