Magdeburg. Sachsen-Anhalts Wirtschaft befindet sich an einem Punkt, von dem aus man hoffen kann, dass es mit der Konjunktur nicht weiter abwärts geht. So diplomatisch nebulös in- terpretieren der Präsident der IHK Magdeburg, Klaus Olbricht, und Wolfgang März, Hauptge- schäftsführer der IHK Magdeburg, die Konjunkturumfrage unter den Betrieben im nördlichen Sachsen-Anhalt. Im Pressetext dazu heißt es, dass die Konjunktur der gewerblichen Wirtschaft im Norden Sachsen-Anhalts im II. Quartal 2008 weiter an Fahrt verliert und die seit Jahresbeginn erkenn- baren Abschwungtendenzen sich verstärkt haben. Folgerichtig fällt der Geschäftsklimaindex auf den schlechtesten Wert seit zweieinhalb Jahren. In beinahe allen Branchen haben sich die Geschäftserwartungen deutlich verschlechtert. Ledig- lich Industrie und Dienstleistungen sind noch einigermaßen zufrieden. Klassisch konsumnahe Bereiche, wie Einzelhandel oder Gastgewerbe hingegen, sehen eher schwarz. Die Preissteiger- ungen auf vielen Gebieten führen dazu, dass die Kunden das Geld lieber zusammenhalten, als es im Handel oder in Gaststätten auszugeben. Die Preisexplosionen bei Kraftstoffen belasten das Verkehrsgewerbe, aber auch die Industrie. Industrie Dennoch bewerten die industriellen Unternehmer die Geschäftslage sehr positiv. 64 Prozent der Befragten äußern sich zufrieden. Läßt man jedoch die Unternehmer den Blick nach vorn richten, dann tritt schnell Ernüchterung ein. Die Erwartungswerte verschlechtern sich im Saldo um zehn Punkte – für die Branche ein erheblicher Rückgang. Die Umsatzerwartungen sind in allen Teilbranchen deutlich rückläufig. Die Exporterwartungen fielen im letzten Quartal noch gut aus, aktuell trüben sie sich jedoch ein: nach 31 Prozent Zu- wachs im I. Quartal - einem Spitzenwert in Deutschland in der Dynamik - rechnen gegenwärtig beispielsweise nur noch 14 Prozent der befragten Investitionsgüterproduzenten mit Zuwächsen im Exportgeschäft. Soweit die Gesamteinschätzung, in den einzelnen Branchen ist das Bild differenzierter.
Baugewerbe Das Geschäftsklima im Baugewerbe ist nach der Befragung der Unternehmen denkbar trübe. Allerdings ist hier eine Zweiteilung auszumachen: während es dem Tiefbau schlecht geht, geht es dem Hochbau gut.
Handel Die schlechte Stimmung im Handel setzt sich im II. Quartal 2008 fort. Auch hier gibt es eine Zweiteilung. Während der Einzelhandel stöhnt, ist der Großhandel recht zufrieden. Die inflatio- näre Preisentwicklung läßt die Kauflust der Verbraucher auf Null sinken. Interessant: Im Vor- jahresquartal gingen 26 Prozent der befragten Einzelhändler von immer stärkerer Kaufverweiger- ung aus, im Vorquartal waren es 31 Prozent und gegenwärtig sind es 46 Prozent.
Gastgewerbe Sicher saisonal bedingt scheint im Gastgewerbe ein leichter Sonnenschein. Aktuell denken 34 Prozent der Hotelbetreiber und 20 Prozent der Gastronomen so. Erstere berichten von Umsatz- steigerungen, der Auslastungsgrad der Zimmer hat sich deutlich erhöht. Dennoch ist der Tourismusbranche klar, dass die Preisspirale auch sie erreichen wird. Nach 26 Prozent im letzten Quartal blicken gegenwärtig nur noch fünf Prozent der Befragten optimis- tisch auf die kommenden Monate.
Verkehrsgewerbe Das Verkehrsgewerbe leidet unmittelbar unter den enormen Kraftstoffpreisen. Die Lagebewer- tungen sind so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr. 47 Prozent der befragten Unternehmer rechnen mit weiteren Einbußen, 37 Prozent erwarten ein rückläufiges Transportaufkommen.
Dienstleistungsgewerbe Neben der Industrie ist das Dienstleistungsgewerbe die zweite Positiv- säule bei den Lagebe- wertungen. Erfreulicherweise haben sowohl die unternehmensnahen als auch die personenbe- zogene Dienstleister Anteil an diesem Ergebnis. Gestützt wird dies durch volle Auftragsbücher und schwarze Umsatzzahlen. Doch auch hier sinkt der Anteil der Optimisten, ausdrücklich pessimistisch äußern sich nach zuletzt nur neun Prozent mittlerweile 21 Prozent. Als einzige Branche verzeichnet das Dienst- leistungsgewerbe einen Zuwachs bei den Beschäftigungsabsichten. Die Investitionsbereitschaft ist sowohl im unternehmensnahen als auch im personenbezogenen Dienstleistungsbereich rückläufig.

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